Chemie in der Steinzeit: Herstellung von Steinzeitseife

Tiefburg (Handschuhsheim):

Vor der Tiefburg in Handschuhsheim (Foto Archiv Halbedl)
Vor der Tiefburg in Handschuhsheim (Foto Archiv Halbedl)

Am Samstag, den 09.10.2021, trafen wir uns am Tor der Tiefburg in Handschuhsheim. Nach der Begrüßung führte Prof. Dr. Clemens Eibner in das Thema Seifenherstellung ein. Der Verein ArchaeNova e. V. wurde von Dr. Karl-Heinz Halbedl eingeführt. Danach ging es – nach einer medizinischen Komplikation - auf unseren Platz für experimentelle Archäologie.

 

Das Reinigungsmittel Seife kommt in der Natur nicht rein vor, sondern entsteht durch verschiedene Prozesse. Wichtig für die Herstellung sind Hitze (Feuer etc.), Wasser, Holzasche und Fett enthaltende Substanzen. Öle sind zumindest seit der Neuzeit auch als Bestandteil der Seifenherstellung in Gebrauch. Die Wurzeln ihrer Herstellung reichen weit in die Vergangenheit und war schon den alten Sumerern (3. Jt. v. Chr.) bekannt, diente jenen aber wohl nur als Heilmittel. Möglicherweise wurde schon in der Steinzeit die seifenartige Reinigungseigenschaft von Holzasche entdeckt. Es ist durchaus denkbar, dass sich die Steinzeitmenschen nach dem Essen durch die Holzasche vom Fett reinigten.

 

Das Werkzeug und das Material wird auf den Platz für Experimentelle Archäologie gebracht:

Auf dem Platz für Experimentelle Archäologie:

Versuch mit Sonnenblumenmagarine:

Auf dem Platz für experimentelle Archäologie von ArchaeNova e. V. wurde nach Anweisungen und Erläuterungen von Prof. Dr. Clemens Eibner zunächst eine ca. 20 – 30 cm breite und ca. 35 bis 50 cm lange Feuergrube ausgehoben und darin, nachdem man in der Grube eine Holzpyramide errichtet hatte, ein Feuer entzündet. Nachdem das Feuer richtig brannte, wurde eine Kuchenkastenform bis in 1 cm Höhe mit Holzasche gefüllt und darauf Wasser gegeben, sodass die Asche mit dem Wasser ca. 4 cm hoch in der Kuchenform stand. Das Gemisch wurde dann an das Feuer gestellt. Unter Rühren mit einem Holzstück wurde das Aschewasser gekocht, bis es ein bisschen brodelte. Mit Hilfe von mit der Hand zusammengehaltenen Zweigen (Steinzeitzange) wurde die Form mit dem Aschewasser anschließend vom Feuer genommen, wonach man das Ganze abkühlen liueß. So entstand Aschenlauge.

Nach der Abkühlung wurden ca. 100 Milliliter in eine Dose gefüllt, damit sich die Asche am Boden der Büchse absetzen konnte. Dann wurde die Kuchenform erneut mit etwas Wasser gefüllt, gekocht und anschließend nach Abkühlung wieder ca. 100 Milliliter in eine Büchse geleert, damit sich die Asche am Büchsenboden absetzen konnte. Damit hatten wir eine Reserve für unsere geplanten Seifenherstellungsversuche.

Foto Archiv Gerber
Foto Archiv Gerber

Anschließend wurde eine neue unbenutzte, mit einem Esslöffel Sonnenblumenmargarine gefüllte Büchse am Rand des Feuers unter Herumrühren  mit Hilfe eines Zweiges vorsichtig erhitzt, bis die Sonnenblumenmagerine flüssig war.

 

Dann wurde die Büchse mit der flüssigen Margarine vom Feuer geholt und Aschenlauge vorsichtig unter Rühren dazugegeben.

Es entstand eine homogene Mischung, aber es kam zu keiner Reaktion, die zur Entstehung von Seife geführt hätte. Deshalb wurde die Kuchenform mit dem Aschenwasser bzw. der Aschenlauge nochmals ans Feuer gestellt, erhitzt und wieder vom Feuer geholt.

Es fand eine Entmischung statt. Margarine und Aschenlauge hatten sich leicht getrennt.

In der gekauften Sonnenblumenmargarine waren zu viele Fremdstoffe (Stabilisatoren und Emulgatoren), welche die Seifenbildung verhinderten.

 

Versuch mit Rama:

Foto Archiv Gerber
Foto Archiv Gerber

Der ganze Versuch wurde nun in gleicher Form mit einem Esslöffel Rama durchgeführt, welche zumindest teilweise andere Emulgatoren und Stabilisatoren enthält. Eine mit einem Esslöffel Rama gefüllte Dose wurde an den Rand des Feuers gestellt und erhitzt, bis alles flüssig war. Dann kam wieder die Steinzeitzange zum Entfernen der Dose vom Feuer zum Einsatz. Ca. 20 Milliliter Aschenlauge (möglichst ohne Aschestückchen) wurden unter Herumrühren hinzugegeben.

Leider hat sich auch die flüssige Rama mit der Aschenlauge (Natron- oder Kalilauge) nicht verbunden. Die Aschenlauge-Ramamischung wurde nochmals ans Feuer gestellt, um eine Reaktion, die zur Seifenbildung führen würde, auszulösen.

Angesichts der fortgeschrittenen Zeit konnte leider nicht mehr die Seifenbildung abgewartet werden und die Versuche wurden unterbrochen. Eine Aschenlauge - Margarinemischung (Rama/Sonnenblumemagarine) muss stundenlang kochen, da die Reaktion Zeit braucht. Die Menge der benötigten Substanzen konnte man schon in der Urzeit durch eine Balkenwaage abwiegen, wie sie auch in der Ilias bezeugt ist.

Foto Archiv Backfisch/Halbedl
Foto Archiv Backfisch/Halbedl

Die Chemikerin Dr. Gisela Backfisch wiederholte bei sich zuhause noch einmal in modifizierter Form den Versuch der Seifengewinnung auf einem Holzofen (4 stündiges Kochen auf kleiner Flamme). Durch Zugabe von Natronlauge wurde geprüft ob die Fette genügend gespalten wurden um eine Seifenbildung zu ermöglichen. Mit der Zugabe von Natronlauge wird festere Kernseife hergestellt, die sich leichter absetzt als die flüssigere Schmierseife, die bei der Aschenlauge ensteht. Die Schaumbildung beim Händewaschen zeigte, dass das Experiment erfolgreich war. .

Wir danken Herrn Prof. Dr. Clemens Eibner für die Veranstaltung, Frau Dr. Gisela Bachfisch für die tatkräftige Unterstützung bei den Versuchen, Oliver Memmel und Michael Heierling für Holz und Asche, Kerstin Heilemann und Wolfgang Himmelmann für die zur Verfügung gestellte Asche, Dr. Gisela Backfisch, Herrn Manfred Bechtel, Dr. Christoph Gerber und Dr. Karl-Heinz Halbedl für die Fotos.

 

Foto Archiv Halbedl
Foto Archiv Halbedl

Text: Karl-Heinz Halbedl, Gisela Backfisch. Fotos: Gisela Bachfisch, Manfred Bechtel, Christoph Gerber, Karl-Heinz Halbedl.

Seitenbearbeiter: Karl-Heinz Halbedl.