Ausflug: "Wohnen und Wellness in der römischen Provinz. Tagesexkursion zu römischen Zielen am Oberrhein" (Badenweiler, Heitersheim, Breisach).

 

Reste der römischen Thermenanlage in Badenweiler (Foto Archiv Halbedl)
Reste der römischen Thermenanlage in Badenweiler (Foto Archiv Halbedl)

Am Samstag, den 04.09.2021, fand der von Dr. Herrmann Pflug (Forum Antike e. V./Institut für Klassische Archäologie und Byzantinische Archäologie Heidelberg) organisierte und geleitete Ausflug von Forum Antike e. V. in Kooperation mit ArchaeNova e. V. statt. Es ging nach Badenweiler, Heitersheim und Breisach. Die Führungen vor Ort übernahm ebenfalls Herr Dr. Herrmann Pflug.

Blick auf Burgruine Baden oberhalb des Kurhauses (Badenweiler/Foto Archiv Halbedl)
Blick auf Burgruine Baden oberhalb des Kurhauses (Badenweiler/Foto Archiv Halbedl)

Badenweiler:

Um 7.30 Uhr starteten wir per Bus in Heidelberg. Um 10.00 Uhr erreichten wir Badenweiler (Markgräflerland), einen malerischen Kurort am Rande des Schwarzwaldes mit heißer Thermalquelle (26,4 Grad), in welchem auch schon der in Badenweiler verstorbene russische Schriftsteller Anton Pawlowitsch Tschechow (1860 – 1904) neben vielen anderen Prominenten zu Gast war.

 

Zuerst besichtigten wir die schon 1784 auf Initiative des Markgrafen Karl Friedrich von Baden (1728 – 1811), des späteren Großherzogs von Baden, vor Zerstörung bewahrte und freigelegte römische Badeanlage (Heiltherme). Sie ist die bislang "größte gefundene Römerruine in Baden-Württemberg" und "die einzige, in ihrer Gesamtheit erfasste Heilthermenanlage" auf dem Gebiet des ehemaligen Römischen Reiches (Nuber).

Plan Termenanlage Badenweiler in ihrer größten Ausdehnung: 1 - 4 Räume mit Thermalwasserbecken; 5 - 8 Auskleide- bzw. Ruheräume; 9 - 10 Kaltwasserbecken; 11 - 12 Schwitzräume mit Hypokausten; 13 Heizraum, 14 Serviceräume; 15 Heizräume; 16 Terrassen/Höfe
Plan Termenanlage Badenweiler in ihrer größten Ausdehnung: 1 - 4 Räume mit Thermalwasserbecken; 5 - 8 Auskleide- bzw. Ruheräume; 9 - 10 Kaltwasserbecken; 11 - 12 Schwitzräume mit Hypokausten; 13 Heizraum, 14 Serviceräume; 15 Heizräume; 16 Terrassen/Höfe

Die einheitliche Anlage setzt sich - in der Mitte durch eine Mauer getrennt - aus zwei gleich großen Thermenanlagen zusammen, welche in ihrer jüngsten Phase u. a. aus je zwei jeweils ca. 60 m2 großen, ca. 1 m tiefen Thermalbecken, jeweils zwei zum Teil beheizbaren Auskleide- bzw. Ruheräumen, je einem kleinen Sudatorium (Schwitzraum), je einem Kaltwasserbecken, Serviceräumen und Außenplätzen (Terrassen) bestanden. Die Nord- und Südwände der beiden an die Trennmauer grenzenden Thermalbeckenräume weisen jeweils Wannenbäder auf. Die Kalt- und Warmwasserbecken besitzen zum Teil noch ihren originalen Verputz. Die einst bis zu 12 m hohen Räume der Anlage waren teilweise mit Streifenmalerei verziert. Besonders die Südfassade mit vorspringenden Apsiden, Nischen, großen Glasfenstern und Figurenschmuck muss einst sehr prächtig gewesen sein.

 

Römische Badeanlage Badenweiler (Foto Archiv Heierling)
Römische Badeanlage Badenweiler (Foto Archiv Heierling)
Rekonstruktion Römische Badeanlage Badenweiler (Foto Archiv Heierling)
Rekonstruktion Römische Badeanlage Badenweiler (Foto Archiv Heierling)

Insgesamt ist die nach archäologischem Befund sieben Bauperioden aufweisende Anlage der jüngsten Phase ca. 92 m lang und bis zu 33 m breit. Die für langes Baden wenig geeignete Temperatur des Wassers der Thermalquelle (heute 26,4 Grad) hatte entweder in römischer Zeit eine höhere Temperatur oder wurde wohl irgendwo auf eine höhere Temperatur gebracht. Neben dem normalen römischen Badebetrieb wurden wohl auch Heilpraktiken mit Wasser angewandt, wie sie u. a. teilweise in den antiken Schriften von Galen (130 – 199 n. Chr.) überliefert sind. Über die genaue Organisation des Betriebes der Heiltherme in Badenweiler ist leider nichts bekannt.

 

Die römische Nutzung der Thermalquellen bzw. der römische Badebetrieb in Badenweiler dauerte, wie archäologischer Funde nahelegen, vom Ende des 1. Jh. n. Chr. bis mindestens in die 30iger Jahre des 3. Jh. n. Chr.. Danach ist in Badenweiler wohl nur mit lokaler Nutzung des Thermalwassers und der Badeanlage zu rechnen. Es wurden jedoch auch römische Münzen aus späterer Zeit in Badenweiler (Ende des 3. Jh. bis Ende des 4. Jh. nach Chr.) und in der Badeanlage selbst zwei merowingische Fibeln und zwei Fibeln der Karolingerzeit gefunden. Spätestens das Erdbeben von 1356 zerstörte jedoch die Badeanlage endgültig. Die Thermalquelle an sich war - wie keltische Münzfunde nahelegen - auch schon vor der Ankunft der Römer genutzt worden.

 

 

Heutige evangelische  Pauluskirche in Badenweiler (Foto Archiv Halbedl)
Heutige evangelische Pauluskirche in Badenweiler (Foto Archiv Halbedl)

Durch Bodenradar konnten westlich der römischen Badeanlage Hausgrundrisse nachgewiesen, welche als ehemalige römische Herbergen gedeutet werden, südlich davon wohl ein römisches Lagerhaus und östlich davon ein römisches Großbau gefunden werden. Auch südlich hangabwärts von der Badeanlage konnten zudem schon 1785 durch Grabungen Grundrisse von Gewerbe- und Handwerksbetrieben festgestellt werden. Des Weiteren stand an der Stelle der heutigen evangelischen Pauluskirche ein römischer, möglicherweise der Diana Abnoba geweihter Podiumstempel, von dessen noch 1892 erhaltenen Podium heute durch den damals vorgenommenen Kirchenneubau fast nichts mehr erhalten ist. Zudem konnten in Badenweiler noch ein gallo-römischer Umgangstempel (Innenbau auf 4 Seiten mit nach außen offenem Säulengang umgeben) und weitere römische Gebäude nachgewiesen werden. Gallo-römische Umgangstempel wurden in Nordgallien und Britannien bislang über 300 nachgewiesen, während Podiumstempel in Nordgallien und Britannien seltener gefunden wurden. Außerdem wurde bei Badenweiler römischer Erzbergbau der römischen Spätzeit (Silber) nachgewiesen. Möglicherweise wurde das Bad - zumindest zeitweise - sogar durch den Bergbau finanziert. Insgesamt umfasste das römische Badenweiler, eine Terrassensiedlung in Hanglage, eine Fläche von mindestens 12 ha (ca. 400 m auf 300 m).

 

 

Sehenswert in Badenweiler sind auch die Reste der 1678 zerstörten, für 1122 erstmals sicher belegten mittelalterlichen Burg Baden und ein im 18. Jh. n. Chr. hergerichtetes Palais des Hauses Baden.

 

Mittagessen in Sehringen (Foto Archiv Halbedl)
Mittagessen in Sehringen (Foto Archiv Halbedl)

Es folgte für die meisten Teilnehmer ein Mittagessen im Badenweiler benachbarten Ort Sehringen. Die Übrigen genossen die Mittagspause im Kurpark oder in einem Café oder Restaurant in Badenweiler.

 

Heitersheim:

Malteserschloss in Heitersheim (Foto Archiv Halbedl)
Malteserschloss in Heitersheim (Foto Archiv Halbedl)

Die nächste Station war der ehemalige Sitz des Johanniter-/Malteserordens Heitersheim (Markgräflerland), welcher in Heitersheim von 1272 bis 1806 ansässig war. Von 1428 an wurde von Heitersheim aus als Sitz des Großpriors der deutschen Zunge des Ordens der Besitz des Johanniterordens in dem Gebiet der heutigen Schweiz, Österreich, der Benelux-Staaten, der Tschechei, von Polen und Südskandinavien verwaltet. Von 1548 bis 1806 war das Großpriorat Heitersheim sogar ein eigenes Fürstentum.

Römermuseum Villa urbana Heitersheim (Foto Archiv Halbedl)
Römermuseum Villa urbana Heitersheim (Foto Archiv Halbedl)

In Heitersheim besuchten wir die Reste des bislang einzigen in Baden-Württemberg gefundenen, im Mittelmeerraum aber verbreiteten Villentyps villa urbana (Landgut von städtischer Art), ein ehemaliges luxuriöses Anwesen, wohl ein riesiger Sommersitz eines sehr reichen römischen Gutsbesitzers. Diese Anlage existierte vom 1. Jh. n. Chr. bis um die Mitte des 3. Jh. n. Chr. (Brandt/verschiedene Ausbauperioden). Typisch für diesen Villentypus (Achshofvilla) ist sein axialer Aufbau (nach einer durch die Mitte des Hauptwohnhauses führenden Längsachse sind Gebäude und Wege des Gutes ausgerichtet). Des Weiteren ist die Scheidung in einen sehr reich ausgestatteten abgegrenzten Herrschaftsteil mit Wohnanlage, Garten-und Parkanlagen der Eigentümerfamilie und in einen Wirtschaftsteil für diesen Villentyp kennzeichnend. Die Überbleibsel des Herrschaftsteiles der Villa sind teilweise durch einen Museumsbau geschützt und zu besichtigen.

 

Römermuseum Villa urbana Heitersheim Blick auf Zierwasserbrunnen (Foto Archiv Halbedl)
Römermuseum Villa urbana Heitersheim Blick auf Zierwasserbrunnen (Foto Archiv Halbedl)

Dort sind Teile des Wohnhauses (rekonstruiertes Zierwasserbecken mit Brunnenfigur (28 auf 4,5 m/dritte Ausbauperiode), Teile eines Mosaikfußbodens, Wandmalereireste, Vorratskeller (dritte Ausbauperiode), Mauern etc.) und vor Ort gemachte Funde zu sehen (Gefäße, Lampen, Fragmente zweier Alabasterflaschen aus Ägypten oder Syrien, Gläser, Schmuck (Goldringfragment mit Bernsteinperle)).

In der dritten Bauperiode wurden sogar grauer und kristalliner Marmor und grüne Porphyrplättchen, also Gestein aus Italien, Griechenland und der Türkei, für Mosaiken verwendet. Teilweise liegen die Herrenhausteile der villa urbana heute unter dem Schloss des Malteserordens.

Die Größe der villa urbana von Heitersheim schätzt man insgesamt mit dazugehörigen Ackerflächen auf ca. 20 km2 (Nuber/Seitz). Die Villenanlage (Ausbaustufe IV) selbst war von einer 1040 m langen und ca. 2 m hohen Mauer umgeben. Sie liegt mitten in einem fruchtbaren Lößgebiet auf einem Lößrücken. Möglicherweise bestanden auch Beziehungen zu den Sulzburger Silberminen (Schwarzwald), wie der Nachweis von Beimengungen von Gesteinskleinschlag aus Erzlagern des Schwarzwaldes im Mörtel des Haupthauses vermuten lässt.

Breisach:

Blick auf den Münsterberg (Breisach/Foto Archiv Halbedl)
Blick auf den Münsterberg (Breisach/Foto Archiv Halbedl)

Danach ging es weiter nach dem schon 369 n. Chr. in einem Edikt von Kaiser Valentian I. (364 – 375 n. Chr.) erwähnten Breisach (Europastadt), auf den direkt am Rhein gelegenen ca. 600 m langen und nach allen Seiten steil abfallenden Münsterberg. Dieser beherrschte den durch eine Rheininsel begünstigten Rheinübergang und war einst bei Hochwasser bis zur Rheinbegradigung im 19. Jh. (Johann Gottfried Tulla (1770 – 1828)) eine Insel im Rhein.

 

In der späten Hallstattzeit (ca. 6./5. Jh.  v. Chr.) war der Münsterberg ein keltischer Fürstensitz, in der Spätlatènezeit (ca. 130/120 – 15 v. Chr.) ein keltisches Oppidum (befestigte stadtartige Siedlung/daneben eine wohl frühere Siedlung in Breisach-Hochstetten)) und in spätrömischer Zeit Sitz eines Kastells (4./Anfang 5. Jh. n. Chr.). Breisach war 1198 – 1218 ein Zentrum des Geschlechts der Zähringer (1198 – 1218), von 1273 – 1331 freie Reichsstadt und ab 1331 dann - abgesehen von einem kurzen Intermezzo als Freie Reichsstadt (1415 – 1427) und eine kurze Herrschaftsperiode unter dem burgundischen Herzog Karl dem Kühnen (1469 – 1474) -  Bestandteil von Vorderösterreich.

Modell der Festung Breisach (Museum für Stadtgeschichte Breisach am Rhein/Foto Archiv Halbedl)
Modell der Festung Breisach (Museum für Stadtgeschichte Breisach am Rhein/Foto Archiv Halbedl)

In der frühen Neuzeit schließlich wurde Breisach eine Reichsfestung (1614), war dann von 1639 bis 1700 und von 1703 – 1714 in französischer Hand, danach bis zumindest 1796 wieder habsburgisch (Schleifung der Festung 1741 – 1745) und zwischen 1796 und 1805 mehrmals kurzzeitig französisch besetzt und ist seit 1806 Teil von Baden, um einige wichtige Entwicklungslinien Breisachs aufzuzeigen.

Der Münsterhügel war oft besonders seit der frühen Neuzeit, zuletzt im II. Weltkrieg, Schauplatz schwerer Kämpfe, weshalb heute nur noch wenig historische Bausubstanz vorhanden ist.

 

Rheintor der ehemaligen französischen Festung (heutiges Stadtmuseum von Breisach/Foto Archiv Messmer)
Rheintor der ehemaligen französischen Festung (heutiges Stadtmuseum von Breisach/Foto Archiv Messmer)
Münste St. Stefan (Foto Archiv Halbedl)
Münste St. Stefan (Foto Archiv Halbedl)

 

Wir besuchten zuerst das erhaltene, 1670/75 erbaute Rheintor der ehemaligen französischen Festung, welches heute das Stadtmuseum von Breisach beherbergt und einen Überblick über die Stadtgeschichte von der Steinzeit bis in die Gegenwart bietet. Danach ging es hoch auf den Münsterberg, und wir besichtigten das mittelalterliche, wohl auf der Stelle des ehemaligen römischen Prätoriums des spätantiken Kastells stehenden Münster St. Stephan. Besonders sehenswert sind im Münster das zwischen 1489 – 1491 entstandene, in großen Teilen erhaltene, dreiteilige Wandbild "Das Jüngste Gericht" von dem berühmten Maler und Grafiker Martin Schongauer aus Colmar, der kunstvolle steinerne Lettner (Chorschranke/Ende 15. Jh.), der zwischen 1523 – 1526 entstandene, aus Lindenholz geschnitzte Hochaltar und der kostbare Silberschrein wohl mit den Reliquien der heiligen Märtyrer Gervasius und Protasius (3. Jh. n. Chr./Stadtpatrone Breisachs).

 

Blick auf Lettner und den Silberschrein wohl mit den Reliquien der heiligen Märtyrer Gervasius und Protasius (Foto Archiv Halbedl)
Blick auf Lettner und den Silberschrein wohl mit den Reliquien der heiligen Märtyrer Gervasius und Protasius (Foto Archiv Halbedl)
Altar Münster St. Stephan Breisach (Foto Archiv Messmer)
Altar Münster St. Stephan Breisach (Foto Archiv Messmer)

Vom Münsterhügel hat man einen schönen Blick auf den Rhein. Danach bestand die Möglichkeit, mit Kaffee und Kuchen den Ausflug entspannt ausklingen zu lassen. Gegen 21.00 Uhr waren wir wieder in Heidelberg.

 

Wir danken Herrn Dr. Hermann Pflug für die hervorragende Organisation und Durchführung des Ausfluges und nicht zuletzt für seine anschaulichen Führungen vor Ort, Herrn Michael Heierling und Herrn Claus Messmer für die Fotos. Weitere Fotos stammen vom Verfasser des Textes.

 

Blick vom Münsterhügel (Foto Archiv Halbedl)
Blick vom Münsterhügel (Foto Archiv Halbedl)

Text: Karl-Heinz Halbedl. Fotos: Clauss Messmer, Michael Heierling, Karl-Heinz Halbedl

Seitenbearbeiter: Karl-Heinz Halbedl