Vortrag vom 13. Januar 2020 von Prof. Dr. Ernst Pernicka

Am Montag, den 13.01.2020 fand um 18.15 Uhr im Hörsaal 7, Neue Universität, Grabengasse 3 - 5, Universitätsplatz in Heidelberg unsere erste in Kooperation mit dem Institut für Ur- und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie durchgeführte Veranstaltung für das Jahr 2020 statt. Herr Prof. Dr. Ernst Pernicka hielt einen die Bronzezeit betreffenden Vortrag mit dem Titel "Mykene in Bayern? Zum Verhältnis von "Natur & Kultur" am Beispiel der Funde von Bernstorf". Prof. Dr. Josef Maran (Institut für Ur- und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie) stellte den Referenden vor, Dr. Christoph Gerber (Institut für Ur- und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie) unseren Verein und Herr Prof. Dr. Diamantis Panagiotopoulos (Institut für Klassische Archäologie) leitete die Abschlussdiskussion.

Zum Hintergrund des Vortrages:

Sensationelle Gold- und Bernsteinfunde wurden 1998/2000 auf dem knapp 500 Meter hohen Bernstorfberg bei Kranzdorf (Landkreis Freising in Bayern), in einer bedeutenden mittelbronzezeitlichen Befestigungsanlage (ca. 12,2 ha), gefunden (Mittelbronzezeit in Mitteleuropa ca.1600 – ca.1300 v.Chr.). Diese über 20 Goldbleche weisen auf den mykenischen Kulturbereich in Griechenland hin (ca.1650 – ca.1050 v. Chr.). Ihre Echtheit wird jedoch bezweifelt. Des Weiteren wurden dort auch über 50 Bernsteinstücke und –splitter gefunden, von denen sechs durchlocht waren und zwei Einritzungen aufwiesen. Die Datierung in die Mittelbronzezeit ist umstritten. Besonders die Stücke mit Einritzungen, vor allem das Bernsteinstück mit einer Maskengravur und mykenisch-griechischen Linear B-Schriftzeichen stehen in der Kontroverse. Die Klärung der Echtheitsfrage der Bernstein- und Goldbleche von Bernstorf ist für die Interpretation der Handelsbeziehungen, Kontakte und Menschenbewegungen zwischen Mitteleuropa und Mittelmeerraum für die Bronzezeit von größter Bedeutung. Herr Pernicka hat die Goldfunde analysiert.

Herr Pernicka stellte im Vortrag zuerst den Fundort vor und versuchte dann, die Welt der mittleren Bronzezeit Europas und des Nahen Ostens, so wie sie sich in der aktuellen Forschung darstellt, dem Publikum nahezubringen. Die Fundumstände, verschiedene potentielle Hintergründe und die Dimension der Forschungskontroverse um die Echtheit wurden im Folgenden in allen ihren Facetten aufgezeigt. Vor allem aufgrund der hohen Materialreinheit der von ihm analysierten Goldbleche stuft Herr Pernicka diese als Fälschungen ein. In dieselbe Richtung geht seine Einschätzung der problematischen Bernsteinfunde mit Gravur (Maske/mykenisch-griechische Linear B-Schriftzeichen). Dabei ging er auch mit den Argumenten der Befürworter der Echtheit der Goldbleche und gravierten Bernsteinfunde kritisch ins Gericht.

Alles in allem ein runder, in sich geschlossener Vortrag, welcher bei der Diskussion zu vielen Fragen anregte und beim Umtrunk zu interessanten Gesprächen führte. Mit einem Essen im Löwenbräu (Hauptstraße 127) endete die Veranstaltung.

Text: Christoph Gerber. Seitenbearbeiter: Carsten Casselmann